Medienfassaden – Die neue Virtualität der Architektur

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In der Architekturgeschichte beinhaltet der Begriff „Fassade“ – abgeleitet vom lateinischen „facies“ (Angesicht) – die repräsentative Außenhülle eines Bauwerks.

Mit Gebäuden und deren Gestaltung, mit Baumaterialien und künstlerischer Ausschmückung wurden Plätze und Straßen gestaltet und inszeniert. Aus der Kombination von Baudenkmälern, Häusern und deren Fassaden entwickelte sich ein spezifisches und individuelles Stadtbild, unverwechselbar, einmalig und beständig.

Ausgehend von der Moderne mit Industrialisierung und Urbanisierung und getrieben von der Entwicklung der Technik, vor allem der Foto- und Filmtechnik, der digitalen Medien und der damit einhergehenden radikalen Veränderung der Lebensumstände und der Wahrnehmungen werden so genannte Medienfassaden zum großen Thema. Nach Medienkünstler Professor Joachim Sauter werden sie zum neuen Format: „Die Fassade als mediale Haut der Architektur.“

Neue Wahrzeichen

Den meisten großen Städten der Welt ist heute eines gemeinsam – sie verändern ihr Gesicht stetig und immer wieder. An den Boulevards und Plätzen, in der Nacht, wenn das Licht angeht und die Fassaden erleuchtet. Erstrahlende Bilder und Buchstaben werden zu Botschaften, digitale Impulse und Screens schaffen eine neue, faszinierende Welt mit sich stets veränderndem Gesicht. Eine Vielzahl von Eindrücken und Wahrnehmungen strömt gleichzeitig und immer wieder neu auf den Betrachter ein. Die Gebäude verschwinden gleichsam hinter einem Lichtermeer und werden erst am Tag wieder real. Die mediale Stadt verändert sich stetig, wird virtualisiert und spiegelt gleichermaßen die moderne, digitale und globale Gesellschaft wider.

Die Entwicklung und Gestaltung von Medienfassaden wird zu einem großen und interdisziplinär angelegten Thema. Designer, Architekten und Künstler beschäftigen sich mit der Veränderung von Fassaden mit neuen Materialien und Leuchtmitteln oder Displays, die von Computern gesteuert werden, und entwickeln faszinierend-neuartige Objekte, Räume und Gebäude.

Im Zusammenspiel der Disziplinen entstehen innovative Gestaltungskonzepte und Fassaden mit sich verändernden visuellen Erscheinungsformen und Interaktionsangeboten. Die Medienfassaden schaffen Aufmerksamkeit und hohe Identifikation und verändern den Stadtraum nachhaltig.